Operation Gladio
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Aufbau einer Eingreiftruppe zur Steuerung der Regierungen Westeuropas
“Man musste Zivilisten angreifen, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit weg vom politischen Spiel waren. Der Grund dafür war einfach. Die Anschläge sollten das italienische Volk dazu bringen, den Staat um größere Sicherheit zu bitten. Diese politische Logik liegt all den Massakern und Terroranschlägen zu Grunde, welche ohne richterliches Urteil bleiben, weil der Staat sich ja nicht selber verurteilen kann.”
(Vincenzo Vinciguerra, 1990 wegen Mordes an drei Carabinieri verurteilter Rechtsextremist und Gladio-Mitglied)
Ich bin ins Gefängnis gegangen, weil ich die Existenz dieser super geheimen Organisation nicht enthüllen wollte. Und jetzt kommt Andreotti und erzählt es dem Parlament!
(General Vito Miceli, ehemaliger Chef des italienischen Militärgeheimdienstes Servizio Informazioni Difesa und NATO-Funktionär)
Am 17. Oktober 1990 wurde in Italien eine Geheimorganisation namens “Operation Gladio” aufgedeckt. Ministerpräsident Andreotti konnte sich dem Druck der Fragen des Staatsanwalts Felice Cassonund und Parlamentariern nicht mehr entziehen, nachdem in einer Wohnung brisante Dokumente gefunden wurden, welche die Existenz einer geheimen Organisation belegten, die im Kriegsfall militärische wie nachrichtendienstliche Aufgaben übernehmen sollte, aber auch in Friedenszeiten offensichtlich mit gezielten Aktionen, die öffentliche Meinung beeinflussen sollte.
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Britische wie US-Dienste planten bereits gegen Ende des zweiten Weltkrieges die möglichen Szenarien eines dritten Weltkrieges. 1947 begannen konkrete, organisierte Vorbereitungen.
Als potentieller Kriegsgegner wurde hierbei die Sowjetunion, stellvertretend für den sich bis nach Mitteleuropa ausgebreiteten Kommunismus, betrachtet. Vor allem in den USA machte sich eine geradezu panische Angst vor einer kommunistischen Weltherrschaft breit. Diese Kommunismus-Angst war nicht neu. Schon 1917 verglich Winston Churchill den Lenistischen Kommunismus mit einem Kind, dass noch in der Wiege erwürgt werden müsse.
Man plante, in den Westeuropäischen Staaten geheime, militärisch ausgebildete Guerilla-Truppen aufzubauen, welche im Falle eines Sowjetischen Angriffs und Überrennens Mittel- und Westeuropas (davon ging man bis zum Ende des Kalten Kriegs aus), im überrannten Hinterland verbleiben (”Stay behind”) und sowohl den Feind bekämpfen als auch nachrichtendienstliche Strukturen aufbauen sollten. Das Prinzip der geheimen Guerilla-Truppe im eigenen Land ist dabei ebenfalls nicht neu. Der britische “Guardian” berichtet im Dezember 1990 über ein britisches Guerilla-Netzwerk, welches bereits 1940 nach der Niederlage Frankreich entstanden ist.
Zum Aufbau dieser Gruppen suchte man militärisch vorgebildete Männer mit möglichst großem antikommunistischem Potential und fand sie in den gerade besiegten Nationalsozialisten. Während für die Öffentlichkeit eine europa- und weltweite Jagd nach Nazigrößen stattfand, wurde parallel bekannten Nazis zur Flucht verholfen. Einige Namen hierunter sind Klaus Barbie (”Schlächter von Lyon”), Franz Stangl (Kommandant Treblinka), Gustav Wagner (Kommandant Sorbibor), Alois Brunner (Offizier des Deportationsprogramms), Adolf Eichmann (Architekt des Holocaust), Joseph Mengele (”Weisser Engel”, Auschwitz) oder Martin Bormann (siehe Abbildungen). Eine komplette SS-Division (”Galician Division”), bestehend aus 8000 Mann, erhielt in England den Status “free setteler”.
Verantwortlich hierfür zeichnete der 1. Direktor des gerade als Nachfolgeorganisation des OSS neu gegründeten CIA, Allen Dulles. Als Namensgebung fand man “Operation Gladio”. Gladio war die Bezeichnung eines römischen Kurzschwertes, welches sich auch im Logo der Operation wiederfand.
Die ersten organisatorischen Ansätze lassen sich in der Arbeit des ehemaligen SS-Mannes Otto von Bolschwing finden. Bolschwing war an einem anti jüdischem Pogrom in Bukarest beteiligt. 1945 bereits, noch vor Kriegsende, wurde der von der amerikanischen Geheimdienstorganisation CIC (Army Counterintelligence Corps, Gegenspionageabteilung des Armee-Geheimdienstes) angeworben, welche später in die neu gegründete CIA überging. 1949 wurde Bolschwing in die Dienste des unter CIA-Obhut gegründeten Deutschen Geheimdienstes “Organisation Gehlen”, Vorgängerorganisation des BND, übergeben. Später machte Bolschwing alte Kontakte in Italien mobil, um die Bürgerkriegssituation in Griechenland unter Kontrolle zu bekommen und warnte die CIA bzw. die Organisation Gehlen vor möglicher Unterwanderung durch kommunistische Agenten.
Offiziell gegründet durch die CIA wurde Gladio 1956, betrieben und organisiert wurde Gladio durch den Secret Service. Die italienische Gruppe wurde mit 622 Mitgliedern gegründet, welche auf Sardinien trainiert wurden. Die spätere Mannstärke wird auf 15.000 geschätzt. Weiter Gruppen entstanden in Frankreich unter dem Namen “Glaive”, in Österreich entstand die Gruppe “Schwert”, in der Türkei die “Red Sheepskin”, in Griechenland “Sheepskin”, in Schweden “Sveaborg”, England “Stay Behind” und in der Schweiz “P26″. In der BRD wurde in diesem Zusammenhang eine Unterabteilung des BND gegründet, vermutlich mit Sitz in Hannover. In den Ländern Holland, Belgien, Spanien, Portugal und Norwegen sind keine namentlichen Gruppen bekannt, von Ihrer Existenz ist aber wohl auszugehen. Später ging die Organisation in die Strategie der “Supreme Headquarters Allied Powers Europe” (SHAPE), des militärischen Arms der NATO auf. Das Kurzschwert finden sich weiter auch im SHAPE-Logo wieder (siehe Abbildungen).
In vielen Ländern übernahmen die Kämpfer der Gladio-Truppen aber auch noch weitere, so genannten “secondary” Funktionen. Diese bestanden im Wesentlichen aus geheimdienstgesteuerten, kriminellen Handlungen zur Einflussnahme auf die Politik und die öffentliche Meinung.
Am Beispiel Italien wird diese Vorgehensweise deutlich. Die CIA zeigte sich besorgt über den stetig wachsen Einfluss der kommunistischen Partei Italiens “PCI”, welche 1972 bei den Wahlen 27% der Stimmen erreichte. Der Plan war einfach: Durch linksterroristische Attentate sollte die öffentliche Meinung und damit die Regierungsrichtung nach rechts “gedreht” werden. Tatsächlich starben durch Bombenattentate 1972 drei Polizisten. Im November 1973 explodierte eine Bombe an Bord eines Argo16 - Flugzeugs. Beide Attentate wurden kommunistischen Gruppierungen zugeschrieben. Die “Rote Brigaden” Italiens galten von Beginn an als von Geheimdiensten unterwandert und gesteuert.
Ähnliche Theorien zeichnen das gleiche Bild für die deutsche “Rote Armee Fraktion”, welche in der gleichen Zeit in der BRD ihre aktivste Zeit hatte. Auch in der BRD war nach 16 Jahren CDU-Regierung mit Willy Brand ein sozialdemokratischer Kanzler an die Macht gekommen, welcher seine Regierung auf direkten Aussöhnungskurs mit dem kommunistischen Polen führte. Entstanden ist die RAF aus den 1968′er Studentenprotesten, insbesondere nachdem ein Berliner Polizist den Studenten Benno Ohnesorgs während einer Demonstration gegen den Besuch des iranischen Schahs erschossen hatte. In der sich entwickelnden linken Szene war der Verfassungsschutzagent Peter Urbach vollkommen integriert mit Kontakten zu wohl allen linken Persönlichkeiten (”Kommune 1″, Andreas Baader, Gudrun Enslin, u.a.). Faktisch war es Urbach, der die Molotovcocktails während der Anti-Springer-Verlag - Demonstration verteilte. Auch spätere Waffenlieferung an die sich gruppierende Baader-Meinhof - Gruppe wurden über Urbach abgehandelt. Im Gegenzug war der Berliner Verfassungsschutz sehr gut informiert über die linke Szene, ohne jedoch konsequenterweise in irgendeiner Form gegen die sich gruppierende Baader-Meinhof - Gruppe vorzugehen.
Auch die auf den Berliner Raum begrenzte “Bewegung 2. Juni” war mit V-Männer des Verfassungsschutzes unterwandert. Die Erschießung des enttarnten V-Mannes Ulrich Schmücker 1974 durch ein Kommando der “Bewegung 2. Juni” wurde in insgesamt vier Prozessen untersucht, die Rolle des VS blieb dabei bis zum Ende nicht vollständig aufgeklärt.
Die bundesdeutsche Terrorgeschichte findet Ihre Fortsetzung in den Anschlägen und Bekennerschreiben der dritten und vierten Generation der RAF, deren Existenz das BKA und der Verfassungsschutz immer sehr schnell bejahte. An den zugrunde gelegten Beweisen sind bis heute große Zweifel anhaftig.
Weiterblickend auf die Situation in Italien muss die “Operation Gladio” als die militärische Fraktion angesehen werden. Die eher politische Geheimorganisation Italiens war (ist) die “Propaganda Due”, kurz “P2″ genannt. Hinter der auch “Geheimloge” oder “Freimaurerbund” genannten Gruppe steht Licio Gelli, später “Puppet Master” genannt. Gelli kann sich mit einer qualifizieren “Grundausbildung” in Mussolinis “Schwarzhemden” und als Verbindungsoffizier zu Goerings Waffen-SS rühmen. 1974 gehörten zur P2 ca. 1000 führende Köpfe Italien (Minister, Offiziere, Medienvertreter). Die internationale Legitimation erhielt de P2 spätestens nach einem Geheimtreffen Gellis in der US-Botschaft in Rom 1974. Gesprächspartner waren Alexander Haig, NATO Supreme Commander und Chief of Staff im Weißen Haus von Präsident Nixon sowie Henry Kissinger, damals National Security - Berater des US-Präsidenten. Gelli erhält den Zuspruch der beiden und die Zusage für weitere Finanzmittel. Die Mittel sollten für eine weitere Intervenierung (”Internal Subversion”) in das politische System Italiens verwendet werden, also einer weiteren Drängung der Regierung Richtung rechts. Die P2 ist somit der direkte Arm der US-Sicherheitsdienste in die Legislative Italiens, welcher eine weitere Ausbreitung der kommunistischen Partei verhindern will.
Gelli nimmt Kontakt auf zu Roberto Calvi, Vorsitzender der Banco Ambrosiano, der größten nicht staatliche Bank Italiens. Es ist davon auszugehen, dass Gelli über diverse Druckmittel gegenüber Calvi verfügt, da 1967 der Chef des Italienischen Secret Service mit Dossiers über 150.000 Persönlichkeiten des italienischen öffentlichen Lebens in die P2 eintrat. Calvi begann Gelder von Konten seiner Bank über Konten des Vatikans (Instituto per de Religione, IOR) abzuschöpfen, wahrscheinlich um das einfließende Geld der CIA zu waschen. Sehr wahrscheinlich diente Calvins Banco Ambrosiano aber auch der Geldwäsche der Mafia, was durch die Aussage des Mafia-Aussteigers Francesco Mannino Mannoia 1992 dargestellt wird. Calvi geriet unter Druck durch Francesco Di Carlo, der in der Londoner Mafia für den Herointransport verantwortlich war.
Calvi hatte zuvor zur Füllung seiner Konten löcher zugestimmt, große Mengen Drogengelder für die Corleone Mafia zu waschen. Aber Calvi nutzte die Gelder auch für die Weiterführung seiner Bankgeschäfte. Ihm drohte die Aufdeckung dieses Geflechts aus Waschen von CIA - Gelder und Drogengeldern über Konten des Vatikans. Auch innerhalb des Vatikans drohte nach der Ernennung Papst Johannes Pauls I. eines Aufdeckung der Verwicklung der Vatikankonten in Mafiatransaktionen. Der “plötzliche” Tod des gesunden Papstes nach nur 33 Tagen Amtszeit ist nur eine Facette dieser Geschichte. Calvi beschloss, in London mit Opus Dei (rechte katholische Geheimorganisation) über eine Anteilnahme an seiner Bank zu verhandeln um weitere liquide Mittel zu erlangen. Calvi wandte sich leider an genau den Falschen. Opus Dei versuchte schon lange, mehr Einfluss im, wenn nicht gar die Kontrolle über, den Vatikan zu erlangen. Da viele Konten des Vatikans auch bei Calvis Bank lagen, konnte ein Bankrott Calvis Opus Dei ihrem Ziel nur weiterbringen. Calvis Anliegen wurde abgelehnt. Da Calvi nun auch die Gelder der Mafia nicht mehr zurückzahlen konnte, war sein Schicksal besiegelt. Der Mordauftrag wurde von Pippo Calo, Mafia-Stadthalter von Rom, erteilt. Am 17.6.82 wird Calvi tot (erhängt) in London gefunden. Man geht von Selbstmord aus. Nach seinem Tod stellte man einen Fehlbetrag seiner Konten in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar fest, welche man später zum Teil auf Vatikan-Konten wiederfand. Wie verwurzelt die Strukturen des Vatikans zu alten Nazi-Zeiten waren, zeigt wohl auch die Ernennung von Dr. Hermann Abs in die sogenannten “Vier weisen Männer”, einem Untersuchungsausschuss für die Aufklärung der Calvi-Affäre. Abs war unter Hitler Direktor der Deutschen Bank und somit einer der größten Finanziers des Dritten Reiches. Weiterhin war Abs im Aufsichtsrat der IG Farben, welche nicht nur Tausende von KZ-Häftlingen als Zwangsarbeiter nutzten sonder auch das Giftgas “Zyklon-B” produzierte.
Die Ernennung des Polen Karol Wojtyla zum Papst Johannes Paul II., welcher dem Opus Dei-Zirkel zugeneigt beschrieben wird, war der nächste Schritt. Große Summen wurden nach seiner Ernennung auf Konten der polnischen Solidarnozc - Bewegung überwiesen. Da diese Gewerkschaftsbewegung gegen das kommunistische System Polens protestierte, ist davon auszugehen, dass die entsprechenden Gelder wiederum von der CIA gezahlt wurden.
Im Jahr 1978 wurde mit einem weiteren Beispiel die Arbeitsweise der Gladio deutlich. Italiens Premierminister und Parteivorsitzenden und Abgeordneten von Italiens Christlich-Demokraten (DC) Aldo Moro wurde durch die linke Terrorgruppe “Rote Brigaden” entführt und getötet. Ähnlich wie die Entführung Hans-Martin Schleyers in Deutschland durch die RAF, löste Moros Entführung eine Welle der Empörung und Ablehnung innerhalb des italienischen Volks gegenüber den Terroristen und deren linksradikalen Gesinnung aus.
Interessant ist aber auch hier die Vorgeschichte. Moro plante eine intensive Zusammenarbeit mit der PCS, der kommunistischen Partei Italiens. Moro traf sich mit Außenminister Kissinger, welcher seine Politik als “profoundly dangerous and mistaken” bezeichnete. Ein weiteres Treffen fand mit einem namentlich unbekannten Geheimdienstmitarbeiter statt. Dieser warnte ihn zur Umkehrung seiner Politik mit den Worten ” … or you will pay dearly for it. - Groups on the fringes of the official secret services might be brought into operation”. Moro brach seine USA-Reise sofort ab. Seine Frau berichtete von Todesangst ihres Mannes nach dem kurzfristigem Abbruch der Reise. Moro wurde später entführt, 5 seiner Leibwächter wurden während der Entführung erschossen, und 55 Tage später tot in einem Kofferraum gefunden, was wiederum auffallende Ähnlichkeiten zum Fall Schleyer hat. Die Unterlagen, welche 12 Jahre später zur Aufdeckung der Organisation Gladio führten, wurden ausgerechnet in jener Wohnung sichergestellt, die der Terrororganisation “Rote Brigade” nach der Entführung von Aldo Moro, im April 1978 als Versteck gedient hatte.
US-Interventionen im Rahmen des Gladio-Programms wurden durch die Entdeckung Anfang der 90er-Jahre besonders deutlich in Italien. Das Europa umspannende Netzwerk, welches nachfolgend anhand einiger Beispiele beschrieben wird, war auch Gegenstand einer Debatte des Europaparlaments vom 22.11.1990. Das Parlament beklagte, dass Zitat “diese Organisation [das Gladio-Netzwerk] über 40 Jahre hinweg außerhalb jeder parlamentarischen Kontrolle verdeckte geheimdienstliche und bewaffnete Operationen in mehreren Mitgliedsländern der EU betrieben“ hatte, dass „die Militärgeheimdienste bestimmter Länder erwiesenermaßen in gravierende Terrorakte und kriminelle Aktivitäten verwickelt waren“ und dass die Urheber über Gladio illegalen Einfluss auf die inneren Angelegenheiten zahlreicher EU-Staaten genommen hätten.
Ungeachtet dem Versuch, einen objektiven Artikel zu verfassen, verschließt sich mir die Logik, dass ein EU-Parlament offiziell feststellt, dass Militärgeheimdienste erwiesenermaßen in Terrorakte und kriminelle Aktivitäten verwickelt waren, bis heute aber keine - offizielle - juristische Aufarbeitung dieser Straftaten stattfindet. Weltweit sterben Zivilisten im sogenannten “Krieg gegen den Terror” während der Terror von Regierungsorganisationen gegen das eigene Volk ausgeübt wurde oder wird. Wohlgemerkt nicht in Syrien, Irak oder Nordkorea, sondern in Mittel- und Westeuropa.
Kurze Listung verschiedener europäischer Aktivitäten:
Italien
12. Dezember 1969: Als die Massenbewegung der StudentInnen und ArbeiterInnen ihren Höhepunkt erreicht explodiert in der Landwirtschaftsbank Mailands eine Bombe, die 16 Menschen tötet und 84 verletzt. Die Bombe soll den Linken in die Schuhe geschoben werden und im Rahmen der Ermittlungen kommt es zum “zufälligen Tod eines Anarchisten” (Titel des Theaterstückes von Dario Fo) als Giuseppe Pinelli während einer Einvernahme durch die Polizei aus dem Fenster “fällt”. Heute wird das damalige “Ordine Nuovo”-Mitglied Delfo Zorzi als Täter genannt, der im Auftrag von CIA und NATO gehandelt haben soll.
31.Mai 1972: In Peteano, einem kleinen Ort nahe Triest tötet eine Autobombe drei Carabinieri. Erst die Neuaufnahme dieses Verfahrens führte den Untersuchungsrichter Felice Casson 1990 zur Entdeckung der Gladio. Auch hier hätte die Spur in Richtung Rote Brigaden gelegt werden sollen.
28. Mai 1974: Während einer antifaschistischen Demonstration explodiert in Brescia eine Bombe die 9 Tote und 90 Verletzte zurücklässt.
4. August 1974: Im Schnellzug Florenz-Bologna explodiert eine Bombe die 12 Tote und 48 Verletzte fordert.
27. Juni 1980: Nördlich von Sizilien stürzt über der Insel Ustica eine DC-9 mit 81 Menschen an Bord ab, die alle ums Leben kommen, während gleichzeitig über Kalabrien eine lybische MIG-23 abstürzt. Die Wochenzeitung “Panorama” schildert den Hintergrund dazu: ” Die DC-9 der Itavia wurde, wahrscheinlich aus Versehen, im Laufe einer geheimen, auf internationaler Ebene organisierten Militäraktion abgeschossen, deren Ziel der Sturz des lybischen Regimes und die physische Eliminierung von Muhammar Ghadaffi war.” Viele Hinweise aus SISMI und NATO-Kreisen sprechen für diese so unglaublich klingende Version.
2. August 1980: Im Bahnhof Bologna explodiert eine Bombe und richtet dort ein Blutbad an: 85 Menschen sind tot, 200 verletzt. Anfänglich wird wieder in die Linke hinein ermittelt, letztlich aber werden zwei Mitglieder der “Bewaffneten Revolutionären Kerne” (NAR) zu lebenslanger Haft verurteilt, zwei SISMI-Offiziere fassen wegen Legen falscher Spuren mehrjährige Haftstrafen aus. Die mutmaßlichen Auftraggeber P2-Großmeister Licio Gelli und der CIA-Agent Francesco Pazienza werden zu je 10 Jahren Haft verurteilt.
23. Dezember 1984: In einem Eisenbahntunnel explodiert eine Bombe und tötet 27 Personen, 180 sind verletzt.
Mai 1993: Eine Bombe zerstört die Uffizien in Florenz und tötet fünf Menschen.
Bundesrepublik Deutschland
Anfang der Achtzigerjahre führten unter der Führung Manfred Roeders, Sibylle Vorderbrügges und Raymund Hörnles die “Deutschen Aktionsgruppen” und die “Wehrsportgruppe Hoffmann” eine ganze Serie von Brand- und Bombenanschlägen in der Bundesrepublik durch, was einen neuen Qualitätssprung der deutschen Neonaziszene bedeutete.
Das Offizielle Deutschland versuchte die Spur gleich weg von den Tätern nach Moskau zu legen. Vier Tage nach dem Anschlag von Aktivisten der “Wehrsportgruppe Hoffmann” auf das Münchner Oktoberfest am 26. September 1980, bei dem 13 Menschen getötet und 215 zum Teil schwer verletzt wurden, erklärte der damalige CSU-Ministerpräsident Franz Josef Strauß:
“Wenn man die Kriegsführung des KGB und der verwandten Dienste - dazu gehört auch der Staatssicherheitsdienst - kennt, dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass man versucht, rechtsextreme Vereinigungen nicht nur zu infiltrieren, sondern auch für provokative Zwecke zur Diffamierung der Bundesrepublik zu missbrauchen.” So gelang es relativ einfach die Aktivitäten Roeders und seiner Organisationen zu verharmlosen und die Attentäter wurden so sehr milde bestraft.
Enge Kontakte unterhielt Roeder sowohl mit Peter Neumann, als auch mit Heinz Lembke. Heinz Lembke war als Zweiundzwanzigjähriger 1959 aus der DDR geflüchtet, und stieg schnell in der bundesdeutschen Neonaziszene zu einer zentralen Figur auf. Er wurde zum Bundesgeschäftsführer des militanten “Bund Vaterländischer Jugend” und war außerdem im “Bund Heimattreuer Jugend”, in der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und bei Wehrsportübungen aktiv.
Nach dem Anschlag auf dem Oktoberfest erhielten die Beamten des deutschen Bundeskriminalamtes einen Hinweis auf die Herkunft des Sprengstoffes, und stießen so auf umfangreiche Waffenlager, die Lembke angelegt, oder zumindest verwaltet hatte. Insgesamt verwaltete Lembke 33 Waffenlager, die an strategisch wichtigen Punkten verteilt waren und automatische Waffen, 13.520 Schuss Munition, 50 Panzerabwehrrohre, 156 kg Sprengstoff, 230 Sprengköpfe, 258 Handgranaten, chemische Kampfstoffe (u.a. Zyankali, Strychnin, Phosphor,…) enthielten. Schätzungen der “Österreichischen Militärischen Zeitschrift” laufen darauf hinaus, dass dies genug Kriegsmaterial für eine 66 Mann starke Kompanie wäre.
Nach der Bergung der Waffen wird Lembke verhört. Nach einem Wochenende soll mit dem Verhör weitergemacht werden, und Lembke kündigt an, am folgenden Montag “Ross und Reiter” zu nennen. Dies wird jedoch durch einen angeblichen Selbstmord Lembkes am Sonntag verhindert. Nach dem Tod Lembkes werden der Militärische Abwehrdienst MAD und zivile Nachrichtendienste eingeschaltet, um ein Jahr später alle Ermittlungen einzustellen.
In einer Erklärung des Generalbundesanwalt vom 3. Dezember 1982 hieß es, Lembke hätte nicht die Absicht gehabt die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik zu erschüttern, sondern habe sich im Falle einer sowjetischen Invasion auf einen “Partisanenkrieg” vorbereitet. Die Kampfmittel wären vergraben worden um “bei einem von ihm befürchteten Angriff Widerstand leisten zu können.”
Tatsächlich hätte Lembke seine Waffenlager wohl nur schwer allein anlegen und finanzieren können, ganz abgesehen davon, dass einige Kampfmaterialien der Lager nur schwer erhältlich sind. Die Herkunft der Waffen ist bis heute ungeklärt, aus Diebstählen bei der Bundeswehr stammen sie laut Minister Möcklinghoff jedenfalls nicht.
Um so schwerwiegender wird die Frage nach der Herkunft der Waffen durch weitere Waffenlager, die der Naziterrorist Peter Naumann verwaltete und deren Waffen er von Lembke - noch lange vor Lembkes Auffliegen - bekommen hatte. Insgesamt übergab Naumann am 17. August 1995 der Polizei 13 Waffendepots, die er seit 17 Jahren aufgebaut hatte, und die neben verschiedensten Waffen 200 kg Plastiksprengstoff, TNT, und verschiedenste Zündmittel enthielten.
Auch Naumann war tief in die Nazi-Terrorszene verwickelt, u.a. plante er eine Befreiung Rudolf Hess mittels eines Sprengsatzes. Anschläge auf DDR-Grenzanlagen und Sabotage an einem römischen NS-Mahnmal gingen ebenfalls auf sein Konto.
Spuren der “Bajuwarischen Befreiungsarmee” BBA, der österreichischen Briefbombenattentäter führten auch immer wieder in die Gegend Peter Naumanns.
Anhand der Ausführungen des BND-Aussteigers Juretzko war es der BND, welche eine eigene “Stay Behind” - Abteilung betrieb. Sitz war München und Hannover (Tarnname “Heidehaus”). Juretzko beschreibt in seinem Buch “Bedingt einsatzbereit”, dass in eine genau definiertes Profil passende Privatpersonen kontaktiert wurden und gegen ein geringes Entgeld (300,00 D-Mark pro Quartal) die “Stay Behind” - Truppe bildeten. Diese Privatpersonen wurden u.a. in Konspiration, Funktechnik oder Sprengstoffkunde ausgebildet. Diese Personen wurden als Kontaktpersonen für nach dem sowjetischen Überrennen landende Agenten ausgewählt, sie waren verantwortlich für Materiallager und Landezonen für Falschirmtruppen.
Laut Juretzko wurde die “Stay Behind” - Gruppe des BND 1991 unter Einfluß der Italien-Skandals und des Endes des kalten Kriegs aufgelöst. Inwieweit die ausgebildeten Privatpersonen von Ihrem Wissen und Ihrem Material dann noch weiterhin Nutzen zogen, bleibt ungewiss. Allerdings ist auch bekannt, dass das DDR-MfS über nahezu alle “Stay Behind” - Quellen ausführlich Bescheid wusste, das gesamte System in der BRD also dem Ostblock offen bekannt war und dessen Einsatzfähigkeit damit zweifelhaft war.
Im deutschen Bundestag stellte der Grünen-Abgeordnete Manfred Such 1996 eine Anfrage, ob die Regierung bereit sei, den “Stay Behind” - Sachverhalt in der BRD aufzuklären (http://dip.bundestag.de/btd/13/039/1303935.asc). Die Regierung antwortete am 01.03.1996, dass sie dazu bereit sei, zugleich aber auch die Angaben aus dem Jahr 1992 nochmals bestätige.
Diese Angaben (Antwort http://dip.bundestag.de/btd/12/027/1202703.pdf durch Staatsminister Bernd Schmidtbauer auf die Anfrage durch Gregor Gysi http://dip.bundestag.de/btd/12/025/1202591.pdf) vom 27.05.1992 lauten zusammengefasst:
- Die “Stay-Behind-Organistaion” (SBO) wurde zum Jahresende 1991 aufgelöst.
- Einen Tätigkeitsbericht über die SBO wird die Regierung nicht veröffentlichen. Es wird auf die Geheimtätigkeit des BNDs verwiesen. Die Regierung verweist auf Ihren Bericht vom 03.12.1990 an die Parlamentarische Kontrollkommission (PKK), welchen diese auch veröffentlich habe.
- Mitglieder der SBO sind nicht in andere Behörden übernommen worden.
- Die Ausstattung der SBO-Mitglieder umfasste ein spezielles Funkgerät, welches wieder vom BND übernommen wurde.
- Es bestht keine Verbindung zwischen SBO und dem “Bund deutsche Jugend”.
- Es gibt keine Verbindung der SBO zu Rechtsextremisten und es gibt keine Waffenlager.
- Die PKK wurde erst nach der offizillen Ende der SBO ber diese informiert, da es sich um eine eine Vorsorgeeinrichtung gehandelt habe. Daher bestand kein Anlass der Kontrollgremium vorher zu informieren.
- Es gibt keine Behoerde, die die SBO weiterfuehrt.
England
Premierminister Harold Wilson führte seine Labour Regierung. Die sogenannte Operation “Clockwork Orange” wurde gestartet. Mitglieder des Kabinetts als auch Premierminister Wilson selber wurde als Sowjet-gesteuert diffamiert. Wilson trat überraschend zurück.
Bundesrepublik Deutschland / Italien / Österreich
Während der 60er- und 70er-Jahre wurden im Grenzgebiet Südtirol Sprengstoffanschläge auf Stromleitungen und Denkmäler verübt. Die deutschsprachige Minderheit in Südtirol drohte mit Aufstand und Trennung von der Schutzmacht ihrer Interessen Österreich. Die Attentäter wurden jeweils nicht gefasst oder sehr schnell wieder freigelassen. Wie die Zeitung “Lotta Continus” berichtete wurden Sprengstoffanschläge von der Polizei selbst verübt. Beteiligung der P2 wurden angenommen
Belgien
Rechtsgerichteter Terror in den Jahren 1982 - 1985 mit insgesamt 82 Toten. Ziel hierbei soll eine Verunsicherung der Bevölkerung gewesen sein, um eine Tendenz Richtung “Law and Order” zu erzeugen.
Die belgische stay-behind-Untergrundorganisation wurde unter dem Namen “Glaive” ab 1946 im Zusammenhang mit der Wiedereinsetzung König Leopolds mit rechtsextremen belgischen Gruppierungen aufgebaut. Rekrutiert wurden die belgischen Glaive-KämpferInnen aus der nun aufgelösten faschistischen “Westland New Post” und aus der Gendarmerie und Armee. Anderen Theorien zufolge hatte die “Westland New Post” bereits Gendarmerie und Armee unterwandert.
Daraus soll u.a. die “Nijvel Gang” entstanden sein, die Mitte der Achtzigerjahre in den “Massakern von Brabant” 28 Menschen ermordete und Raubüberfälle mit Polizeiwaffen verübten. Damit hätte in Belgien eine ähnliche “Strategie der Spannung” angewendet werden sollen wie in Italien in den Siebzigerjahren.
Einen Zusammenhang der Glaive mit anderen rechtsextremen Gruppierungen wie etwa der “Front de la Jeunesse” - eine Jugendbewegung, die laut ihrem Führer Francis Dossogne mit militärischen Aufgaben betraut gewesen wäre - sowie dem “Vlaams Militanten Orde” (VMO) einer eng an den Vlaams Blok gebundenen militanten Gruppe soll es ebenso gegeben haben.
Vlaams Blok, VMO und Glaive sollen außerdem sehr gute Kontakte zur British Column 88 unterhalten haben, welche als rechtsextreme Gruppierung Teil des britischen Gladio-Netzes gewesen sein soll.
Über den Vlaams Blok-Abgeordneten Roger Spinnewijn wurden im November 1994 Waffen der kroatischen HOS-Miliz an die “Afrikaans Weerstands Beweging” (AWB) geliefert, die damit für eine Wiedereinführung der Apartheid kämpft.
Frankreich
Rechtsgerichteter Terror mit dem Ziel ehemalige linke Widerstandskämpfer auszuschalten oder einzuschüchtern.
(Originalartikel vom 21.09.2002)
Quellen
Die Front im Hinterland
http://www.raw.at/texte/inteam/inteam6/int6_front_im_hinterland.htm
Heinz Moll: “Gladio bereits vergessen?”
http://homepage.sunrise.ch/homepage/comtex/uw29811.htm
1998
Zitat von Alexander Werth: “Bloodshed Near Archangel”
The Nation, 03.09.1960, S. 116
übernommen von Andreas von Bülow: “Im Namen des Staates”
Seite 372, ISBN: 3-492-23050-4
2000
David Guyatt: “Operation Gladio”
http://www.copi.com/articles/guyatt/gladio.html
1997
G. Wisnewski, W. Landgraeber, E. Sieker: “Das RAF-Phantom”
Seite 304, ISBN: 3-426-80010-1
1992
Stefan Aust: “Der Baader-Meinhof - Komplex”
Seite 95, ISBN: 3-442-12953-
1985 und 1997
Deniele Ganser: “NATO-Geheimarmeen und ihr Terror” in “Der Bund”
Seite 22, 2004
(über http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio)
Abbildungen



February 11th, 2007 at 15:55
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